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Amalgam im Mund, nein danke
In den letzten Jahren ist das Amalgam in der Öffentlichkeit zunehmend als Füllungswerkstoff in die Kritik geraten. Auch in der Zahnärzteschaft ist das Amalgam heute nicht mehr unumstritten. Die Auseinandersetzung zwischen Amalgambefürwortern und -gegnern erreichen nun nach Stellungnahmen des Bundesgesundheitsamtes (BGA) und vielen Veröffentlichungen in der Tagespresse einen neuen Höhepunkt. Derzeit bereitet das BGA eine Empfehlung vor, die einen Verzicht auf Amalgam bei Kindern und Jugendlichen sowie Frauen im gebärfähigen Alter fordert. Ob Sie vor der Sommerpause oder nach den Bundestagswahlen im Herbst veröffentlicht werden soll, ist noch unklar.

Beeinflusst wird diese Entscheidung des BGA nicht nur durch die neuesten Untersuchungsergebnisse an menschlichen Föten des Münchner Gerichtsmediziners Prof. Dr. Drasch, sondern auch durch die Entschließung des Bundesrates zur Vermeidung des Einsatzes von Quecksilber in seiner 668. Sitzung am 29. April 1994. Der Bundesrat fordert darin die Bundesregierung auf, Grenzwerte für Quecksilber in Rechts- und Verwaltungsnormen, die den Schutz des Menschen und der Umwelt zum Ziel haben, zu überprüfen. Weiterhin ist der Bundesrat der Auffassung, dass der Einsatz von Quecksilber aus Gründen des vorsorgenden Gesundheits- und Umweltschutzes weiter reduziert werden und geeignete quecksilberfreie Ersatzstoffe oder Verfahren entwickelt werden müssen.

Uns haben diese Argumente, sowie die aus der Empfehlung des Bundesgesundheitsamtes resultierende Rechtsunsicherheit dazu veranlasst, einen vollständigen Verzicht auf Amalgam als Füllungswerkstoff in dieser Praxis zu praktizieren. Amalgam wird in dieser Praxis nur noch auf Ihren Wunsch und Ihre spezielle Aufforderung verarbeitet. Ansonsten werden Sie mit alternativen Füllungswerkstoffen wie Glasionomerzementen, Kompoionomeren und Kompositen, bzw. auch mit Einlagefüllungen (Inlays) aus Gold oder Keramik versorgt. Meine Entscheidung kein Amalgam mehr zu verarbeiten möchte ich Ihnen in Kürze erläutern. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich nicht mit jedem Patienten während der Behandlung derart umfangreich zu diesem Thema diskutieren kann. Selbstverständlich stehe ich Ihnen aber für Fragen zur Verfügung, die Sie nach dem Lesen dieser Information noch haben.

Zunächst einmal: Was sind Amalgame?
Amalgame sind Legierungen von einem oder mehreren Metallen (Feilung) mit Queckilber. Bei diesen Metallen handelt es sich im Wesentlichen um Silber, Zinn und Kupfer; oder auch Zink, Indium, Palladium. Feilung und Quecksilber werden miteinander bei der so genannten Trituration maschinell vermischt, so daß eine plastische verarbeitbare Konsistenz entsteht, mit der eine vorher geschaffene Kavität (Loch) gefüllt werden kann. Dieser Vorgang nennt sich Kondensation.

Welche gesundheitliche Belastungen stellen Amalgamfüllungen überhaupt dar?
Metallisches Quecksilber ist praktisch ungiftig, verdampft aber schon bei Zimmertemperatur. Eine Vergiftungsgefahr besteht also in erster Linie durch das Einatmen freigesetzter Quecksilberdämpfe, während die Aufnahme über die Haut oder die Darmschleimhäute, etwa nach dem Verschlucken von Füllungsbestandteilen, demgegenüber zu vernachlässigen ist. Bei der Verarbeitung von Amalgamen sind daher neben der Auswahl des "richtigen" Materials strenge arbeitshygienische Grundsätze zu beachten, die wir als Praxisinhaber für unsere Praxis in einer Betriebsanweisung zum Umgang mit Quecksilber festgelegt haben.

Geklärt ist heute:
1. Amalgamfüllungen tragen eindeutig und analytisch messbar zur Gesamtbelastung des Organismus mit Quecksilber bei - Quecksilber tritt messbar aus Amalgamfüllungen aus. Insbesondere während des Legens, Polierens und Entfernens von Amalgamfüllungen kommt es zum kurzfristigen Anstieg dieses Wertes.

2. Im Speichel und im Körpergewebe von Amalgamfüllungsträgern sind signifikant höhere Quecksilberwerte messbar als bei Nicht-Amalgamfüllungsträgern. Auch aus polierten Amalgamfüllungen kann im Laufe der Zeit Quecksilber freigesetzt werden (zum Beispiel durch sehr heiße Getränke und Speisen oder exzessives Kaugummi kauen).

3. Ca. 20 % der Körperbelastung an Quecksilber bei Amalgamfüllungsträgern geht auf die Füllungen zurück, ca. 80 % auf die Nahrung (vor allem Fisch und Meeresfrüchte).

Die Quecksilberbelastung aus Füllungen hat also eine weit geringere Bedeutung als aus der täglichen Nahrung. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angegebenen Grenzwerte, ab denen mit einer Gefährdung gerechnet werden muß, werden auch bei Patienten mit vielen Amalgamfüllungen weit unterschritten! Bei Verdacht auf immunologische Störungen oder allergische Reaktionen muß auf Amalgam als Werkstoff verzichtet werden. Auch lästige, aber in der Regel unbedenkliche, elektrochemische Reaktionen (Metallgeschmack) können beim Kontakt unterschiedlicher Metalle in der Mundhöhle auftreten. Die individuelle Gesundheitsverträglichkeit des Amalgams ist durch spezielle Tests nachweisbar.

Ungeklärt bzw. noch strittig ist heute:
Kann das aus Amalgamfüllungen freigesetzte Quecksilber chronische Erkrankungen auslösen? Die Zwiespältigkeit bei der Beurteilung des Problems ist in den unspezifischen Symptomen einer chronischen Quecksilbervergiftung begründet. Erscheinungen, wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrations- und Sehschwäche sowie Migräne und Kopfschmerzen treten auch bei Menschen auf, die nie mit Amalgam in Berührung getreten sind.

Es ist deshalb sicher nicht gerechtfertigt, das Amalgam für alle Beschwerden verantwortlich zu machen, deren Ursache man nicht kennt oder nicht anders erklären kann. Andererseits gibt es seriöse Schilderungen von Menschen, die nach Entfernung von Amalgamfüllungen ihre vorher bestehenden gesundheitlichen Probleme verloren. Natürlich können in dieser ganzen Problematik die Wechselwirkungen von Psyche und Körper (Psychosomatik) nicht unabhängig voneinander betrachtet werden. Sicher neigt auch ein Mensch, der sich von Krankheit bedroht fühlt eher zu Krankwerden. Aber auch von der wissen-schaftlichen Seite gibt es ernstzunehmende Hinweise auf eine potentielle Gefährdung durch Amalgam.

Unsere Bewertung: Ob Amalgam schädigt oder nicht, ist zur Zeit nicht vollständig geklärt.
Die Schulmedizin geht davon aus, dass ein potentieller Schadstoff bei allen Menschen die gleiche Wirkung zeigt. Wir denken hingegen, nicht alle Menschen haben die gleiche Sensibilität gegenüber Umweltbelastungen. Was den einen krank macht, übersteht der andere ohne Probleme. Auch die Vorbelastung durch andere Umwelteinflüsse (Schwermetalle, Dioxine, Pestizide, Hormone etc.) ist von Individuum zu Individuum unterschiedlich, spielt aber durch den Summationseffekt eine entscheidende Rolle. Quecksilber aus Amalgamfüllungen könnte, bei Vorhandensein einer Vorbelastung, der letzte Tropfen sein, der das Faß zum Überlaufen bringt.

Sie können erkennen, dass es auch bei Sachkenntnis in dieser Diskussion keine einfache Wahrheit gibt. Das zeigt auch die Stellungnahme des BGA aus dem Jahre 1992: Es gibt nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand unter Berücksichtigung der durch Nahrung Wasser und Luft ohnehin für den Menschen bestehenden Quecksilberbelastung keinen begründeten Verdacht für ein medizinisch nicht vertretbares gesundheitliches Risiko durch Tragen, Legen oder Entfernen von Amalgamfüllungen. Ihr Einsatz sollte dennoch auf das unbedingt notwendige Maß eingeschränkt werden, um die allgemeine Quecksilberbelastung des menschlichen Körpers zu verringern (BGA, 5.2.1992).

Wer eine gesundheitliche Gefährdung bzw. Schädigung für sich mit absoluter Sicherheit ausschließen will, darf sich nicht mit Amalgamfüllungen versorgen lassen.

Dauerhafte Alternativen zu Amalgamfüllungen sind zum jetzigen Zeitpunkt nur die teuren, weil nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstatteten, Einlagefüllungen aus Gold und Keramik. Diese haben aber auch im Vergleich zu Amalgamfüllungen eine deutlich höhere Lebensdauer. Aber auch mit alternativen Füllungsmaterialien lassen sich bei sachgerechter Verarbeitung heute schon akzeptable Ergebnisse in der Füllungstherapie erzielen.