Ist Karies ansteckend?

Karies wird durch Bakterien verursacht, die prinzipiell wie alle anderen Bakterien auch von Mensch zu Mensch übertragen werden können. Sie bilden allerdings einen sehr kleinen Teil der Mundflora – nur eine Handvoll der etwa 1000 verschiedenen Bakterienarten in der Mundhöhle wird mit einer Kariesentstehung assoziiert. Der allergrößte Teil dieser Bakterien ist nützlich und wichtig für ein gut funktionierendes Immunsystem. Einer der Hauptkeime für die Kariesentstehung ist Streptococcus mutans.

Wird dieser Keim übertragen, heißt das allerdings noch lange nicht, dass die Zähne automatisch Karies bekommen: Dafür brauchen die Bakterien nämlich vor allem Zucker. Diesen Zucker verstoffwechseln die Bakterien zu Säuren, die die Mineralstoffe aus den Zähnen herauslösen.Erst die zuckerreiche Ernährung stellt also die Bedingung her, unter der Karies entstehen kann. Außerdem können sich die Bakterien an Stellen mit erhöhter Plaque – dem Zahnbelag – ansiedeln und ausbreiten. Selbst hier benötigt es aber zusätzlich den Zuckerkonsum, bevor eine Karies entstehen kann. Kariesbakterien sind also übertragbar, die Karies als eigene Krankheit ist es allerdings nicht.

Eine zuckerarme Ernährung und eine gute Mundpflege verhindern eine Kariesentstehung auch bei Vorhandensein von Kariesbakterien. Auch die lange vorherrschende Empfehlung, Eltern sollen nicht vom gleichen Löffel essen wie ihre Babys oder deren Schnuller sauber lecken, ist nicht mehr aktuell. Im Gegenteil, neuere Studien aus den USA und Skandinavien kamen zu dem Schluss, dass das Abwehrsystem von Kleinkindern, deren Eltern die Schnuller abgeleckt hatten, besser ausgebildet ist als das von Kindern, deren Eltern darauf verzichtet hatten. Auch bei kleinen Kindern sollte also hauptsächlich auf eine zuckerarme Ernährung und auf eine frühzeitige gute Mundpflege geachtet werden.