Parodontale Betreuung in der Implantologie

In vielen modernen Praxen stellt die Prophylaxe, Therapie und Nachbetreuung parodontal erkrankter Patienten einen Behandlungsschwerpunkt dar. Dieses Aufgabengebiet, sowie die Betreuung implantologisch versorgter Patienten stellen höchste Anforderungen in Bezug auf Ausbildung, Wissen und Können an den Zahnarzt, die Prophylaxeassistentin (ZMP) oder Dentalhygienikerin (DH) und das gesamten Behandlungsteam. Aber auch die Ausstattungsdetails der Praxis können einen entscheidenden Beitrag zur Vereinfachung der bekanntermaßen lebenslangen Betreuung und Gesunderhaltung dieser Patientengruppen leisten.
Eine wichtigen Beitrag hierfür kann dabei ein druckkalibriertes Messinstrument für die Sondierungstiefen (Taschentiefen) sein, die Florida-Probe.

Für die Diagnostik, Therapie und posttherapeutische Betreuung ist die regelmäßige Evaluation bzw. Reevaluation der parodontalen Verhältnisse notwendig. Hierfür hat sich in der täglichen Praxis die Erhebung verschiedener Parameter als sinnvoll erwiesen. Neben der obligaten Messung der Rezessionen und der Sondierungstiefen sind dies der Furkationsbefall, die Mobilität sowie Blutung und Suppuration. Diese Daten vermitteln ein exaktes Bild über den Gesundheitszustand des Zahnhalteapparates und liefern konkrete Anhaltspunkte für die in der Therapie oder posttherapeutischen Betreuung erforderlichen Maßnahmen.

Einer der wichtigsten Indikatoren in der prätherapeutischen Diagnostik ist die Sondierungstiefe. Um eine Reproduzierbarkeit im Laufe der langjährigen posttherapeutischen Betreuung gewährleisten zu können ist eine standardisierte Messung der Sondierungstiefen von besonderer Relevanz. Dies gilt insbesondere für die Messung von Sondierungstiefen zur Evaluation der periimplantären Gesundheit, da die Sondierungstiefenmessung an Implantaten empfindlicher auf Druckveränderungen reagiert als die Messung an Zähnen.

Im Jahr 1988 wird von Gibbs die Floridaprobe vorgestellt. Es handelt sich um ein parodontales Sondierungstiefenmesssystem. Vorteile dieses Systems sind insbesondere die exakte, auf 0,1 mm genaue, elektronische Messung der Sondierungstiefe, der konstante Sondierungsdruck von 15 p, die sehr grazile Sondenspitze mit einem Durchmesser von nur 0,4 mm und die Speicherung der gewonnen Daten auf dem Computer. Vergleiche zwischen Sondierungsmessungen mit der Handsonde und der Floridaprobe ergaben deutliche Vorteile für die elektronische Sonde. Die Reproduzierbarkeit der Messungen mit der Floridaprobe war der Handmessung überlegen. Außerdem konnten mit Hilfe der Floridaprobe  Veränderungen de Sondierungstiefen bereits bei Veränderungen von weniger als 1 mm entdeckt werden.

Entscheidende Vorteile der Floridaprobe für die Patienten aber auch die Praxis sind vor allem der zügige Arbeitsablauf und die schnelle, effiziente Messung, mit einer Dauer von etwa 10 Minuten. Es entfällt die Fehlerquelle bei der Ablesung der Handsonde. Als weiteres Plus ist eindeutig die – im Vergleich zur Handsonde – höhere Reproduzierbarkeit der erhobenen Befunde zu nennen. Durch die Druckkalibrierung der Floridaprobe ist eine Messung mit gleich bleibendem standardisierten Druck von 15 p gewährleistet. Das garantiert geringere Messabweichungen bei gleichen Behandlern in verschiedenen Untersuchungen aber auch beim Vergleich verschiedener Behandler. Nicht zuletzt werden durch die Grazilität der Messsonde geringe Schmerzsensationen hervorgerufen. Das resultiert in einer hohen Patientenakzeptanz und deshalb wird eine regelmäßige Messung von den Patienten leichter erduldet.

Ein wichtiger Programmbestandteil ist die parodontale Risikobeurteilunganhand verschiedener Kriterien wie Umwelt- und genetischer Faktoren, Zahn- und Knochenverlust, Sondierungstiefe sowie dem Status beim „Bluten auf Sondierung“ Er kann im Zusammenhang mit anderen Faktoren hilfreich sein bei der Bestimmung des Recallintervalls. Es wird eine Einteilung in drei Risikoklassen vorgenommen (normal, mittel, hoch) und die Empfehlung von Ramseier und Lang lautet für normales Risiko ein 6-12-monatiges Recall, für mittleres und hohes Risiko ein 6- bzw. 3-monatiges Recallintervall zu etablieren. DieAbbildung zeigt die Bildschirmseite der Floridaprobe zur Risikobeurteilung am Beispiel eines Patienten mit hohem parodontalen Risiko.

Rauchen und Parodontitis

Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates, die durch Bakterien ausgelöst wird. Die Bakterien befinden sich in Zahnbelägen, die unzureichend entfernt werden. Eine schlechte Mundhygiene führt langfristig zur Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis). Unbehandelt entsteht aus einer Gingivitis eine Zahnbetterkrankung (Parodontitis), wobei der Knochen des Zahnhalteapparates abgebaut wird. Dies kann langfristig zu Zahnverlusten führen.

Rauchen begünstigt die Parodontitiserkrankung um ein vielfaches.

Dies hat mehrere Gründe:

Rauchen schränkt die Durchblutung ein. Dies hat zur Folge, dass die ersten Warnzeichen (Blutung in diesem Fall) des Körpers ausbleiben, wodurch die Erkrankung lange Zeit unentdeckt bleibt
Durch die eingeschränkte Durchblutung wird das Zahnfleisch anfälliger für Bakterien
Das Rauchen stellt bessere Lebensbedingung für aggressivere Bakterien dar, die zu Destruktionen des Zahnhalteapparates führen können
Durch das Rauchen werden körpereigene Abwehrszellen aktiviert, die zu Knochenabbau führen können

Es ist zu beobachten, dass eine Parodontitiserkrankung bei Rauchern schwerer und aggressiver verläuft, als bei Nichtrauchern. Auch sprechen Raucher viel schlechter auf eine Parodontitistherapie an.

Die Heilungschancen verbessern sich deutlich durch den Verzicht auf das Rauchen.

Artikel von Dr. med. dent. Gökçen Erek

Zahnfleischkorrektur/ Rezessionsdeckung Plastische Parodontalchirurgie

Rezessionen sind Zahnfleischdefekte, die viele Ursachen haben können. Falsche Putztechniken (zu starkes Schrubben, Zahnbürste mit harten Borsten), anatomische Varianten (sehr dünnes Zahnfleisch), kieferorthopädische Behandlungen und Parodontalerkrankungen sind einige nennenswerte Ursachen für solche Zahnhalsdefekte. Diese Defekte können von Patienten als ästhetisch sehr störend empfunden werden, da die Zähne optisch länger erscheinen.

Es stehen viele Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Kleinere Zahnhalsdefekte können z.B. mit Kunststofffüllungen versorgt werden. Zahnfarbener Kunststoff wird zur Deckung der Rezession eingesetzt. Durch die Behandlung kann ein ästhetisch zufriedenstellendes Ergebnis erreicht werden. Gleichzeitig können somit auch Sensibilitäten, die vom Zahnhals ausgehen, reduziert werden.

Größere Defekte können chirurgisch korrigiert werden. Es stehen viele Operationstechniken zur Verfügung. Der Defekt bestimmt die jeweilige Operationstechnik und muss bei jedem Patienten individuell geplant werden.

Operativ kann dass Zahnfleisch nach Bildung eines Verschiebelappens zur Zahnkrone hin verlagert werden. Dabei wird das Zahnfleisch mit eigenem Gewebe neu modelliert. Außerdem besteht die Möglichkeit Bindegewebe am Gaumen zu entnehmen um damit das Zahnfleisch zu verdicken.

Welche Technik beim Patienten durchgeführt wird, muss individuell entschieden werden.

Informationen zum Verhalten nach chirurgischen Eingriffen

Beachten Sie bitte diese Hinweise gewissenhaft, um das Risiko von Wundheilungsstörungen möglichst gering zu halten und dadurch den Therapieerfolg nicht zu gefährden.

– Bedenken Sie, dass Ihre Fahrtüchtigkeit herabgesetzt sein kann, insbesondere wenn Sie Anästhesien (Spritzen) erhalten oder Medikamente eingenommen haben.

– Bitte essen Sie erst wieder, wenn die Betäubung in der Behandlungsregion vollständig verschwunden ist. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Sie sich unbemerkt Bissverletzungen zufügen. Bitte trinken Sie während dieser Zeit auch keine heißen Getränke.

– Am Operationstag sollten Sie nicht rauchen und keinen Kaffee, Tee oder Alkohol trinken.

– Bitte putzen Sie heute Abend bereits wieder vorsichtig die Zähne.

– Um die Nähte in der behandelten Region nicht zu gefährden und zur Vermeidung von Wundheilungsstörungen putzen Sie bitte die Zähne in der direkten Umgebung der Wunde nicht. Falls ein Parodontalverband angelegt wurde, wird auch in dieser Region nicht geputzt. Statt dessen spülen Sie 3x täglich für jeweils 2 Minuten den Mund kräftig mit der Ihnen verordneten Spüllösung aus. Ständiges Saugen und Spülen schadet allerdings der Wundregion. Die nicht behandelten Zähne werden während dieser Zeit selbstverständlich wie üblich geputzt.

– In der ersten Nacht nach der Operation sollten Sie Ihren Kopf durch ein zweites Kissen höher lagern.

– Sollte wider Erwarten eine Nachblutung auftreten, so legen Sie eine saubere Mullbinde oder ein frisches Stofftuch auf Wunde und beißen so zu, dass geringfügiger Druck auf der Wunde entsteht. Sie sollten sich nicht hinlegen sondern sitzen. Wenn die Blutung nach 1-2 Stunden nicht zum Stehen gekommen ist, setzen Sie sich bitte mit der Praxis bzw. dem Notdienst in Verbindung. In keinem Falle spülen oder fortgesetzt ausspucken.

– Bei Schwellungen innerhalb der ersten 48 Stunden keine Wärme anwenden! Bitte kühlen Sie die behandelte Region im Wechsel für mehrere Stunden, um ein Anschwellen zu vermeiden. Sie sollten dafür ein Kühlkissen benutzen oder zerstoßene Eiswürfel in eine Plastiktüte oder eine Wärmflasche geben, ein feuchtes Handtuch darum wickeln, und damit im Wechsel kühlen (20 Minuten Kühlung, 20 Minuten Pause und so weiter). Bei später auftretenden Schwellungen melden Sie sich zur Nachbehandlung bitte in der Praxis.

– Nach 7-10 Tagen müssen die Fäden entfernt werden. Halten Sie diesen Termin bitte unbedingt ein.

– Sollten Schmerzen oder andere Komplikationen auftreten, suchen Sie bitte unsere Sprechstunde auf, oder rufen Sie uns zumindest an. Ein leichter Wundschmerz ist normal.

– Bei pochenden oder pulsierenden Schmerzen sollten Sie sich mit uns in Verbindung setzen.

– Verordnete Antibiotika nehmen Sie bitte ohne Unterbrechung genau nach Anweisung ein bis die verordnete Packungsgröße restlos aufgebraucht ist. Während der Einnahme von Antibiotika nehmen Sie bitte keine Milchprodukte zu sich. Sollten Sie eine Antibabypille einnehmen, beachten Sie bitte, dass die Wirkung durch das Antibiotikum herabgesetzt sein kann.

– Verordnete Schmerzmittel sollten Sie bei Bedarf einnehmen. Maximal 3-4 mal täglich 1-2 Tabletten.