Medikamente, die sich negativ auf die Zahngesundheit auswirken

Bei nahezu jedem Medikament, das man einnimmt, hat man es mit unerwünschten Nebenwirkungen zu tun. Diese wirken sind auf den gesamten Körper und teilweise auch auf den Mundraum aus. Da die Mundhöhle unweigerlich Teil des gesamten Magen-Darm-Traktes ist, gibt es hier zahlreiche Auswirkungen aller möglichen Medikamente. Im Folgenden seien jedoch nur die hauptsächlichen genannt:

1. Mundtrockenheit:
Rund 400 Arzneistoffe senken als Nebenwirkung den Speichelfluss im Mund, was unter anderem zu erhöhtem Kariesrisiko durch eine verminderte Remineralisation führt. Insbesondere bestimmte Psychopharmaka wie trizyklische Antidepressiva (Bsp. Amitriptylin, Clomipramin), Johanniskraut und Neuroleptika (Bsp. Benperidol, Risperidon) fallen unter diese Gruppe.
Sollten Sie unter extremer Mundtrockenheit leiden, sollten Sie Ihren Arzt / Ihre Ärztin nach alternativen Medikamenten befragen. Alternativ gibt es verschiedene Tees, Mundspülungen oder Lutschtabletten, die Ihnen Ihr Zahnarzt / Ihre Zahnärztin verschreiben kann. Auch viel Trinken, saure Bonbons Lutschen oder zuckerfreie Kaugummis Kauen kann helfen.

2. Zahnfleischwucherungen und -entzündungen:
Die so genannte Gingivahyperplasie kann bei verschiedenen Medikamentengruppen auftreten. Hierzu zählen bestimmte Antiepileptika (Bsp. Phenytoin), auch das Immunsupressivum Cyclosporin A ist für diese Nebenwirkung bekannt. Dieses wird beispielsweise nach Organtransplantationen verabreicht. Auch Blutdruck senkende Mittel haben teilweise diese unerwünschte Nebenwirkung (Bsp. Nifedipin, Amlodipin, Nitrendipin). Auch Schwangerschaftshormone können übrigens diese Zahnfleischveränderungen bewirken.
Die Wucherung des Zahnfleisches kann zu Entzündungen und schlecht putzbaren Zahnoberflächen führen. Dies verursacht schlechten Mundgeruch, ein erhöhtes Kariesrisiko und die Gefahr einer Parodontitis. Auch hier sollte eine alternative Medikation in Betracht gezogen werden, in jedem Fall muss aber eine exzellente Mundhygiene betrieben und die Professionelle Zahnreinigung regelmäßig wahrgenommen werden. Gegebenenfalls wird Ihr Zahnarzt / Ihre Zahnärztin von Zeit zu Zeit das überschüssige Zahnfleisch entfernen müssen.

3. Aphthen:
An Aphthen leiden viele Menschen und sie können unterschiedliche Ursachen haben. Teilweise sind sie auf Stress, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder mechanische Reize im Mund zurückzuführen. Medikamente, die als Nebenwirkung Aphthen verursachen können, sind Diuretika (Bsp. Lasix, Hygroton) und einige Antibiotika (Bsp. Tetracycline, Penicilline). Auch die oben genannte Mundtrockenheit kann in der Folge zu Aphthen führen. Diese kann ebenso durch einen Mangel an Eisen, Vitamin B2 oder B12, Folsäure oder Vitamin C zustande kommen.
Die Behandlung von Aphthen ist nicht ganz einfach, da die Ursache oft nicht eindeutig ist. Eine Schmerzstillung bis zur Abheilung kann durch bestimmte Salben bewirkt werden, auch kann Kamille oder Salbei Abhilfe schaffen. Normalerweise heilen Aphthen von alleine innerhalb von etwa zwei Wochen ab.

4. Kiefernekrosen:
Diese unerwünschte Nebenwirkung tritt teilweise bei der Verwendung von Bisphosphonaten (Bsp. Alendronat/Fosamex, Risedronat/Actonel) und monoklonalen Antikörpern (Bsp. Prolia/Denosumab) auf. Sie werden bei bestimmten Tumorarten und auch bei Osteoporose verschrieben und äußern sich in freiliegendem, nicht abheilendem Kieferknochen im Mund. Diese Osteonekrosen treten vor allem nach zahnärztlichen Operationen auf, daher sollten vor der Gabe alle sanierungsbedürftigen Zähne behandelt werden.

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Ich nehme Bisphosphonate – Kann ich trotzdem Implantate bekommen?

Bisphosphonate und andere Antiresorptiva wie Denosumab werden bei verschiedenen Tumorerkrankungen wie Brust- und Prostatakrebs oder dem multiplen Myelom und ebenso oder vor allem bei der Diagnose Osteoporose verschrieben. Wenn man bedenkt, dass derzeit in Deutschland ca. 10 Mio. Patienten an Osteoporose erkrankt sind, betrifft diese Medikation gar nicht so wenige Patienten in der Zahnarztpraxis.

Diese Antiresorptiva beeinflussen den Knochenstoffwechsel, indem sie beispielsweise Osteoklasten – das sind Zellen, die den Knochen abbauen sollen – blockieren. Das ist wichtig, um zum Beispiel das Auftreten von Knochenbrüchen zu verhindern oder bei Knochenmetastasen die Schmerzen zu verringern.

Dabei lagern sich Bisphosphonate (z.B. „Alendronat“, „Ibandronat“, „Zoledronat“) im Knochen ab und überleben dort selbst nach Absetzen der Medikation durch eine Halbwertszeit von ca. 10 Jahren sehr lange. Bei dem etwas neueren Denosumab verhält es sich anders, es wird nicht in den Knochen eingelagert und besitzt auch nur eine Halbwertszeit von ca. 25 Tagen. Trotzdem ist es nicht so, dass Denosumab dadurch generell für den Kieferknochen das harmlosere Medikament ist.

Bei allen wichtigen Therapieerfolgen, die durch diese Medikamente erzielt werden können, wird im Mundraum eine ernst zu nehmende Nebenwirkung beobachtet: Die so genannte Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose. Das bedeutet, dass der Kieferknochen im Ober- und/oder Unterkiefer quasi abstirbt und häufig frei an der Oberfläche liegt oder sich vom gesunden Kieferknochen ablöst (so genannte „Sequester“). Diese Nekrosen sind häufig von unklaren Beschwerden bis hin zu starken Schmerzen begleitet und treten teilweise mit anderen Symptomen wie Fisteln, Kieferhöhlenzysten oder Kieferfrakturen auf. Die Diagnose stellt zumeist Ihr Zahnarzt / Ihre Zahnärztin bei der Routineuntersuchung oder bei der Anfertigung und Auswertung von Röntgenbildern.

Die Häufigkeit dieser Nebenwirkungen im Mundraum ist stark von verschiedenen Einflussfaktoren abhängig. Die Dauer der Medikamentengabe, die Art und Dosis des Medikaments, die Art der Verabreichung und die zusätzlichen Grunderkrankungen mit deren Zusatzmedikation spielen hier eine große Rolle. Dabei liegt das Risiko des Auftretens einer Nekrose beispielsweise bei der primären Osteoporose mit üblicherweise geringer oraler Medikation bei 0-0,5% und steigt auf bis zu 20% an, wenn metastasierende Tumoren mit hohen Medikamentendosen und vielen Begleittherapien vorliegen.

Für Sie als Patient/-in ist wichtig, dass Sie einen Termin zur zahnärztlichen Untersuchung vereinbaren, sobald Sie von Ihrem behandelnden Arzt die Therapieempfehlung eines Antiresorptivas bekommen. Den meisten Medizinern ist diese Nebenwirkung bekannt, sodass sie den Patienten/-innen von sich aus eine Zahnarztkontrolle im Vorhinein empfehlen. Lässt sich die Medikamentengabe noch zeitlich aufschieben, ist es dann wichtig, dass alle möglichen Infektionsherde beseitigt werden. Dazu gehören das Entfernen von nicht therapierbaren Zähnen oder entzündeten Weisheitszähnen, die Behandlung entzündeter Wurzelspitzen oder Zahnfleischtaschen, gegebenenfalls die Anpassung eines Zahnersatzes, der auf dem Zahnfleisch liegt und möglicherweise auch das Setzen von Implantaten, die einen herausnehmbaren Zahnersatz verhindern können.

Generell gilt, dass alle chirurgischen Eingriffe unter und nach der Medikamentengabe von Antiresorptiva wenn möglich vermieden werden sollten, da die Wundheilung deutlich eingeschränkt ist und diese Eingriffe gehäuft den Beginn einer Kiefernekrose darstellen. Ist ein chirurgischer Eingriff nötig, muss er unter strengen Bedingungen wie einer antibiotischen Abschirmung, einer perfekten Wunddeckung und einer Glättung aller scharfen Knochenkanten erfolgen. Für alle nicht-chirurgischen Maßnahmen wie Füllungen, (Teil-)kronen oder Inlays, Wurzelkanalbehandlungen oder Zahnreinigungen ebenso wie nicht-chirurgische Parodontaltherapien gelten allerdings keine Einschränkungen.

Wie verhält es sich nun, wenn ein Patient / eine Patientin mit einem oder mehreren Implantaten versorgt werden möchte, während oder nachdem er / sie Antiresorptiva eingenommen hat? Generell gilt hier eine strenge Indikationsstellung und der Behandlung bei einem Spezialisten / einer Spezialistin sollte in jedem Fall der Vorzug gegeben werden. Die allgemeine Empfehlung zieht aber das Setzen von Implantaten mit darauf befestigtem festsitzenden Zahnersatz der Anfertigung von herausnehmbarem Zahnersatz (Prothesen) vor. Der Grund ist, dass Prothesen auch oder ausschließlich vom Zahnfleisch getragen werden und häufig Druckstellen verursachen können, die im Nachgang stärker zu Kiefernekrosen führen können als das chirurgische Setzen von Implantaten. Sprechen Sie hier also unbedingt mit Ihrem Zahnarzt / Ihrer Zahnärztin über mögliche Therapieoptionen.;

In jedem Fall ist eine perfekte Mundhygiene wie so oft die größte Voraussetzung für die Gesundheit in Ihrem Mundraum. Bei der Einnahme der oben genannten Medikamente wird Ihnen Ihr(e) Dentalhygieniker(in) möglicherweise empfehlen, alle 3-4 Monate anstelle von 6 Monaten zu Professionellen Zahnreinigung zu erscheinen und auch zu Hause sollten Zähne und Zahnfleisch besonders gründlich sauber gehalten werden. Diese Maßnahmen reduzieren am allermeisten die Entstehung von entzündlichen Eintrittspforten wie Zahnfleischtaschen und die Notwendigkeit, dass ein zu vermeidender zahnärztlicher Eingriff überhaupt stattfinden muss. Die zahnärztlichen Kontrollen sollten besonders ernst genommen werden, damit Ihr Zahnarzt / Ihre Zahnärztin in regelmäßigen Abständen Ihren Kiefer auf erste Anzeichen von Nebenwirkungen hin untersuchen kann.

3D-navigierte Implantologie

Unter diesem Begriff versteht man eine Implantatplanung, die zumeist rein auf digitalen Methoden beruht und somit zu den modernsten Möglichkeiten der heutigen Zahnmedizin zählt.

Hierfür benötigt Ihre Zahnärztin / Ihr Zahnarzt zunächst ein dreidimensionales Röntgenbild, kurz DVT gesagt. Dieses Bild entspricht in etwa der Darstellung bei einem herkömmlichen CT, ist aber auf den Kopf beschränkt und sehr viel strahlenärmer.
Auf dem DVT lassen sich alle möglichen wichtigen Strukturen darstellen, die für die Implantatplanung bedeutsam sind: Die Ausmaße des Knochens, Abstände zu Nachbarzähnen oder Nerven und die Begrenzungen der Kieferhöhle.

Anhand dieser Daten kann Ihre Implantologin / Ihr Implantologe das geplante Implantat virtuell bereits an die Stelle setzen, an der es ideal halten wird. Er oder sie wird hier bereits den Implantattyp, den Durchmesser, die Länge und die Achse des Implantates genau festlegen. So können mitunter größere Knochenaufbauten und Verletzungen von sensiblen Nachbarstrukturen vermieden werden. Auch ist es möglich, bereits den Zahnersatz auf dem Implantat digital zu planen, sodass der Winkel des Implantates optimal auf die Krone abgestimmt werden kann.

In einem nächsten Schritt kann aus diesen Informationen im Dentallabor eine Bohrschablone gefräst oder gedruckt werden, die bei der Implantation auf den Nachbarzähnen sitzt und an der Stelle des geplanten Implantates ein passgenaues Loch enthält, das ein zu tiefes Bohren oder einen falschen Winkel verhindert. Die Schablone schafft der Zahnärztin / dem Zahnarzt und auch der Patientin / dem Patienten Sicherheit bei diesem wichtigen Termin.

Es ist ebenso möglich, mithilfe der 3D-Planung eine provisorische Krone herzustellen, bevor das Implantat überhaupt gesetzt wurde. Somit kann das Implantat direkt nach dem Eingriff versorgt werden. Ob dies möglich ist, hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem der Knochenqualität und der medizinischen Vorgeschichte der Patientin / des Patienten.

Übrigens: Auf dem DVT lässt sich nicht abschätzen, von welcher Qualität der Knochen ist. Die Knochenhärte, die eine wichtige Rolle bei der Heilungszeit spielt, kann nur die Implantologin / der Implantologe im Zuge des Eingriffes bestimmen und Ihnen so sagen, wie lange das Implantat einheilen muss.

Ob bei Ihnen eine 3D-navigierte Implantation sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt. Es gibt mit Sicherheit auch sehr unkomplizierte Knochensituationen, in denen sogar ein zweidimensionales Röntgenbild absolut ausreichend ist.

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Die Volkskrankheiten der Mundhöhle: Wie häufig ist eigentlich Karies?

Wussten Sie, dass Karies an den bleibenden Zähnen die weltweit häufigste Erkrankung darstellt? Laut Untersuchungen leiden etwa 2,3-2,4 Mrd. Menschen an einer unbehandelten Karies – das sind rund 30% der Weltbevölkerung.

Bei Milchzähnen ist diese Zahl etwas niedriger, immerhin betrifft die Krankheit jedoch rund 9% der Kinder weltweit und steht damit nach einer Studie von 2015 auf Platz 10 der häufigsten Erkrankungen.

Auch die Parodontitis ist eine weit verbreitete Krankheit, zumal sie in vielen Fällen chronisch verläuft und die Betroffenen ein Leben lang begleitet. Von einer schweren Parodontitis sind laut Untersuchungen etwa 10% der Menschen weltweit betroffen, die leichteren Formen existieren noch weit häufiger. Die Bakterien, die eine Parodontitis verursachen, unterscheiden sich von den kariesverursachenden Bakterien und stehen in engem Zusammenhang mit dem Auftreten verschiedener Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, Alzheimer und Herzinfarkt.

Dies zeigt wie wichtig es ist, Zähne und Zahnfleisch regelmäßig kontrollieren und reinigen zu lassen. Gesetzliche und private Krankenversicherungen sehen die Routineuntersuchung beim Zahnarzt / der Zahnärztin alle 6 Monate vor und auch die Professionelle Zahnreinigung sollte mindestens in diesem Intervall erfolgen – bei Parodontitis-geschädigten Patienten/-innen und solchen mit eingeschränkter häuslicher Mundhygienefähigkeit ist ein kürzerer Abstand von 3-4 Monaten sinnvoll.

Leider werden die Kosten für eine Professionelle Zahnreinigung von vielen gesetzlichen Krankenkassen nach wie vor nicht oder nicht vollständig übernommen, was angesichts der oben genannten Zahlen unverständlich erscheint – dient sie doch eindeutig der Vorbeugung der häufigsten Erkrankungen der Menschheit. Sollten Sie gesetzlich versichert sein, lohnt sich hier allerdings die genaue Nachfrage bei Ihrer Krankenkasse: Etwa 90% der gesetzlichen Krankenkassen ermöglichen eine Form der Bezuschussung zu den Kosten der Professionellen Zahnreinigung. Da dies je nach Versicherung stark variiert, müssen Sie die Kostenübernahme selbstständig erfragen, dies kann nicht wie beispielweise bei der Bezuschussung von Zahnfüllungen über die Abrechnung Ihrer Zahnarztpraxis direkt erfolgen.

Umso wichtiger ist daher die eigene häusliche Mundhygiene. Dabei spielen Dinge wie Zahnbürste, Zahnpasta, weitere Hilfsmittel zur Zwischenraumpflege, Spüllösungen, Art, Dauer und Häufigkeit des Zähneputzens eine entscheidende Rolle. Auch müssen prothetische Versorgungen wie Brücken oder Implantatkronen speziell gereinigt werden. Hierzu instruiert Sie Ihr(e) Dentalhygieniker(in) ebenfalls im Zuge der Professionellen Zahnreinigung.

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Parodontitis

ist Karies ansteckend

Handzahnbürste vs. Elektrische Zahnbürste

Individualprophylaxe

Weisheitszähne entfernen oder nicht?

Weisheitszähne sind die achten und somit letzten Zähne, die im Alter von etwa 17-25 Jahren in der Mundhöhle durchbrechen. Doch in den meisten Fällen brechen sie gar nicht oder nicht vollständig durch, bei einigen Menschen sind sie auch überhaupt nicht angelegt. Zum Kauen werden sie nicht unbedingt benötigt, müssen sie also immer entfernt werden?

Oftmals machen nicht durchgebrochene Weisheitszähne keine Beschwerden und auf die operative Entfernung freut sich kein Patient so recht – es liegt also nahe zu fragen, ob man diese Zähne nicht einfach belassen kann.

Es gibt zwei verschiedene Gründe, warum Weisheitszähne entfernt werden: Weil sie Schmerzen verursachen und bereits verursacht haben – dies ist die „kurative“ Entfernung. Ein anderer Grund ist, dass sie mit größerer Wahrscheinlichkeit zukünftig Probleme verursachen werden, hier werden sie „prophylaktisch“ entfernt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Weisheitszahn Beschwerden in Form von Entzündungen, Schmerzen, Karies und Schwellungen verursacht, steigt, wenn er zwar durch den Knochen, nicht jedoch vollständig durch das Zahnfleisch gewachsen ist. Dann können sich Bakterien in den Raum zwischen Zahn und Zahnfleisch einnisten und Fäulnisprozesse verursachen. Karies und Zahnfleischentzündungen können allerdings auch an ordnungsgemäß eingeordneten Weisheitszähnen entstehen. Hier liegt die Ursache zumeist in der äußerst schwierigen Reinigungsmöglichkeit der sehr weit hinten liegenden Zahnflächen.

Der weit verbreitete Glaube, dass nicht durchgebrochene Weisheitszähne durch Druck nach vorne die übrigen Zähne zusammenschieben, ist allerdings wissenschaftlich umstritten. Eine Zahnfehlstellung der Frontzähne wird durch die alleinige Entfernung der Weisheitszähne jedenfalls nicht behoben und kann nur kieferorthopädisch aufgelöst werden.

Allgemein gilt: Je früher die Entfernung stattfindet, desto besser ist die Wundheilung. Studien zufolge erhöht sich die Komplikationsrate mit zunehmendem Alter der Patienten, vor allem ab dem 30. Lebensjahr. Außerdem können vollständig ausgebildete Zahnwurzeln gerade im Unterkiefer die Risiken eines Nervschadens erhöhen, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe des Unterkiefernervs befinden. In diesen Fällen ist im Voraus die Anfertigung eines dreidimensionalen Röntgenbildes, einer digitalen Volumentomografie (DVT), unumgänglich, um das Risiko der Nervschädigung durch einen geplanten operativen Zugang zu minimieren.

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Kann ich die Kosten meiner Zahnbehandlung steuerlich absetzen?

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie Rechnungen, die Ihre Zahnarztpraxis Ihnen ausstellt, tatsächlich bei Ihrer Steuererklärung geltend machen. Die Kosten für beispielsweise Zahnersatz und Implantate zählen zu den so genannten „außergewöhnlichen Belastungen“, sofern sie medizinisch notwendig sind und einen gewissen „zumutbaren“ Betrag überschreiten.

Diese Betragsgrenze ist von verschiedenen Kriterien abhängig wie der Einkommenshöhe, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder und muss somit individuell errechnet werden. Wichtig ist, dass alle Rechnungen eines Jahres in der Summe geltend gemacht werden können, die Betragsgrenze betrifft die Gesamtkosten unabhängig davon, wie hoch die Einzelrechnungen waren. Als Patient kann es sich also lohnen, die Behandlungen in einem Jahr zu bündeln. Hierbei zählt das Datum der Begleichung der Rechnung und nicht das Datum der Rechnungsstellung.

Auch wichtig zu wissen ist, dass nur der Betrag angesetzt werden kann, der tatsächlich eigenständig bezahlt werden musste, nicht der Rechnungsbetrag. Wurden Teilkosten der Rechnung erstattet oder bezuschusst – beispielsweise durch die Krankenkasse oder eine Zahnzusatzversicherung -, muss dieser Teil abgezogen werden. An dieser Stelle können in vielen Fällen jedoch auch die Kosten einer privaten Zusatzversicherung in der Steuererklärung angesetzt werden, diese fallen dann in die Rubrik der „Sonderausgaben“.

Zu den außergewöhnlichen Belastungen können neben Zahnersatz und Implantaten auch durch den Zahnarzt / die Zahnärztin verordnete Medikamente oder bestimmte Therapien zählen. Auch Fahrtkosten können in diesem Zusammenhang angeführt werden.

Sprechen Sie im Zweifelsfall am besten mit Ihrem Steuerberater / Ihrer Steuerberaterin oder wenden Sie sich an Ihre Steuersoftware.

NEUEN GRUPPE – Jahrestagungen 2020/21 in Berlin

Die NEUE GRUPPE stellt auf ihren beiden kommenden Jahrestagungen die medizinische Seite des Zahnarztberufes in den Mittelpunkt.
Im Jahr 2020 steht in Berlin das Motto „ZahnArzt“ im Fokus.

Termin: 19.11. bis 21.11.2020
Berlin-Mitte, Hotel Radissson Blu
Domaquaree

Hier finden Sie weitere Infos/ Interviews und Artikel dazu:

The International Journal of Esthetic Dentistry | Ausgabe 19 | Nummer 2 | Sommer 2020 – Info-Artikel

DENTAL TRIBUNE · German Edition · Nr. 5/2020 – Info-Artikel

Praktische Implantologie und Implantatprothetik | pip 4 | 2020 – Interview mit Dr. Siebers

MARKT & EVENT/ 126 teamwork 3/2020 – Interview mit Dr. Siebers

Titanunverträglichkeit

Titan gilt als ein biokompatibles Material mit einem sehr geringen Allergiepotenz und ist aktuell der Goldstandard als Material für Implantate. Allerdings können allergische Reaktionen durch Verunreinigungen mit anderen Metallen wie Nickel, Vanadium oder Aluminium verursacht werden. Titan selbst besitzt sehr gute Korrosionseigenschaften. Die selten auftretenden Unverträglichkeitsreaktionen gegen Titan entstehen wohl durch den Titanabrieb, der im Nanogrößenbereich stattfindet. Auf diesen Abrieb kann das Immunsystem mit einer gesteigerten Immunantwort reagieren. Um eine Titanunverträglichkeit auszuschließen, liegen drei Verfahren zur Diagnostik vor, die im Folgenden vorgestellt werden.

1. Titanstimulationstest
Die typische Unverträglichkeitsreaktion geht von Gewebemakrophagen (Fresszellen des Immunsystems) und Gingivaosteoklasten (Zellen, die für den Knochenabbau zuständig sind) nach Kontakt mit winzigen Titanpartikeln aus. Um diesen Test durchzuführen, wird dem Patienten Blut abgenommen, welches für zwei Stunden mit Titanpartikeln in Kontakt gebracht wird. Hinterher wird die Menge an produzierten Zytokinen Interleukin-1 (IL1) und Tumor Nekrosefaktor-alpha (TNF-α) bestimmt. Diese Zytokine locken anderen Zellen des Immunsystems an und können zentrale Reaktionen wie Fieber, Appetitlosigkeit oder Schlaflosigkeit auslösen. Zudem wird durch die Zytokinausschüttung die Synthese von Kortison und die Osteoklasten aktiviert, die wiederum den Knochenabbau steigern. Fällt das Testergebnis positiv aus, geht man von einer verzögerten und gestörten Einheilung der Titanimplantate aus. In diesem Fall sollten sie mit Ihrem Implantologen die genauen Risiken bei einer Implantation diskutieren und einen Behandlungs- oder Alternativplan finden.

2. Zytokinmorphismus
Um diesen Test durchzuführen, werden Zellen aus der Mundschleimhaut oder aus dem Blut des Patienten entnommen. Jeder Patient hat eine individuelle Entzündungsneigung. Diese bestimmt die Neigung der Makrophagen zur Ausschüttung von Zytokinen (TNF-α und IL1). Diese individuelle Entzündungsneigung lässt sich in der DNA anhand der sog. Polymorphismen (Sequenzvariation in den Genen) bestimmen. Es sind vier Polymorphismen bekannt, die zu einer verstärkten Entzündungsreaktion führen. Anhand dieser vier Polymorphismen können Patienten mit einer normalen Entzündungsreaktion von Patienten mit einer verstärkten Entzündungsreaktion unterschieden werden. Titanpartikel würden bei Patienten mit verstärkter Entzündungsreaktion eine verstärkte Zytokinausschüttung verursachen. Zudem werden Osteoklasten aktiviert, die zu einem verstärkten Knochenabbau führen, während die Osteoblasten, also die knochenbildenen Zellen gehemmt werden. Der Titanstimulationstest hängt eng mit der genetisch bedingten Entzündungsneigung zusammen. 90% der Patienten mit einem Entzündungsgrad 3 und Grad 4 (höchster Entzündungswert) haben einen positiven Titanstimulationstest. Trotzdem sind Grad 3 und Grad 4 Entzündungswerte kein Ausschlusskriterium für Titanimplantate. Es sollte allerdings auch ein Keramikimplantat als Alternative in Erwägung gezogen werden. Patienten mit einem hohen Entzündungswert müssen engmaschiger kontrolliert und mit Vorsicht behandelt werden. Auch in diesem Falle sollten sie mit Ihrem Implantologen die genauen Risiken bei einer Implantation diskutieren und einen Behandlungs- oder Alternativplan finden.

3. LTT-Test (Lymphozytentransformationstest)
Der LTT-Test bestimmt spezifische T-Lymphozyten, die bei allergischen Reaktionen des Spättyps ausgeschüttet werden. Allergische Reaktionen des Spättyps auf Titan sind aufgrund der Oxidationsfähigkeit des ionischen Titans bei mittleren pH-Werten allerdings sehr selten, da die oxidierten Titanpartikel im Vergleich zu anderen Metallionen, keine Metall-Protein-Komplexe bilden können. Gegen einen solchen Metall-Protein-Komplex reagiert das Immunsystem mit der Bildung spezifischer T-Lymphozyten, die bei dem LTT-Test gemessen werden können. Eine allergische Reaktion auf Titanpartikel selbst ist daher recht unwahrscheinlich. Reaktionen können eher aufgrund von Verunreinigungen durch andere Metalle auftreten.

Allergische Reaktionen auf Titan sind bisher noch nicht ausreichend untersucht worden. Allerdings wurden diverse Symptome wie Hautrötungen oder Implantatverluste beschrieben. Bei unerklärlichem Implantatverlust sollte also auch eine Titanunverträglichkeit in Erwägung gezogen werden und Keramikimplantate als Alternative bedacht werden.

Sensible Zähne

Sensible Zähne stellen für den betroffenen Patienten ein großes Problem dar. Der Genuss von warmen oder kalten Getränken, Eis oder süßen Speisen kann Schmerzen verursachen. Es gibt viele Ursachen, die Sensibilität an den Zähnen hervorrufen können.

  • Karies
  • Zahnfleischrückgang durch eine Parodontitiserkrankung
  • Risse im Zahnschmelz
  • Freiliegende Zahnhälse durch falsches Putzen
  • Risse in Füllungen bzw. insuffiziente Füllungsränder
  • Überbelastung der Zähne durch nächtliches Knirschen
  • Schmelzdefekte bei bestimmten Erkrankungsformen (Amylogenesis imperfecta)
  • Falsche, Säure lastige Ernährung

Je nach Ursache unterscheidet sich die Sensibilität danach, ob sie temporär oder permanent ist. Die Ursache sollte von einem/einer Zahnarzt/Zahnärztin festgestellt werden. Bei endogenen Ursachen, wie falscher Putztechnik oder Ernährung, können die Ursachen sehr leicht behoben werden. Ihr Zahnarzt wird ihnen erklären, wie sie durch eine richtige Putztechnik Defekte an Zähnen vermeiden können und wird ihnen geeignete Zahnpasten und Fluoridierungsmaßnahmen empfehlen.

Defekte und kariös veränderte Stellen an den Zähnen, Parodontitiserkrankungen, insuffiziente Füllungen und andere Erkrankungsformen müssen natürlich zahnärztlich behandelt werden.

Fluoride in der Zahnmedizin

Die Bedeutung der Fluoride ist für die Zahnmedizin besonders wichtig. Die Zähne unterliegen ständigen Säureangriffen durch unsere Nahrungsaufnahme. Kurz nach der Nahrungsaufnahme sinkt der pH Wert des Speichels und es herrscht ein saures Milieu. Dies wird durch die Bakterien, die sich in der Mundhöhle befinden, hervorgerufen. Die Bakterien verwerten den aufgenommenen Zucker und geben dabei einfach formuliert eine Säure ab. Dies führt an den Zähnen zu Demineralisationsvorgängen. Es werden dabei Mineralien aus dem Zahn herausgelöst und der Zahn bekommt dadurch poröse Stellen. Somit können die Bakterien nun weiter in die Tiefe des Zahnes hervordringen.

Mineralien im Speichel können diese offenen Stellen jedoch füllen. Dazu muss der Körper die Möglichkeit haben zu arbeiten, d.h. zwischen den Mahlzeiten muss eine Pause bestehen. Wenn aber ständig süßes als Zwischenmahlzeit ins Spiel kommt, wirkt auch der Speichel nicht adäquat und die Demineralisationsvorgänge überwiegen. Remineralisation kann aber ebenfalls durch extern zugeführte Fluoridverbindungen, wie sie in Zahnpasten oder Fluoridlacken enthalten sind, begünstigt werden.

Fluoride sind nämlich wichtig um den Zahnschmelz zu stärken. Die offenen, porösen Stellen werden durch die Fluoride wieder gedeckt und es entsteht wieder eine fester Verbund, sodass keine Bakterien in die Tiefe dringen können. Dadurch entfalten sie ihre kariesprotektive Wirkung.